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Human-centered-Design Teil 4: Nutzererfahrungen festlegen

Die Erfassung und Dokumentation von Bedürfnissen und Anforderungen ist ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung von Produkten. Dabei geht es vor allem darum, die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen und Interessenvertreter zu verstehen und diese den Produktentwicklern zu vermitteln. In der Praxis werden Bedürfnisse und Anforderungen der Endnutzer häufig angenommen und nicht erhoben, obwohl die Endnutzer über den Erfolg einer Softwarelösung entscheiden. User Research schließt diese Lücke durch Befragungen, Nutzerinterviews und Beobachtungen und liefert verifizierte Einsichten in den realen Nutzungskontext einer Anwendung. Aus diesen Einblicken werden die Nutzeranforderungen abgeleitet. Die Anforderungen bilden später auch die Grundlage für die Qualitätssicherung, um sicherzustellen, dass die Systemfunktionen so konzipiert wurden, dass sie die Benutzer entsprechend ihren Bedürfnissen und Präferenzen unterstützen.

BEDÜRFNISSE UND ANFORDERUNGEN

Bedürfnisse sind unspezifische Wünsche, die aus einem Gefühl des Mangels entstehen[1]. Da es sich um Gefühle und nicht um Wissen handelt, können diese schwer verbalisiert werden. Bedürfnisse manifestieren sich in spezifischen Anforderungen[2]. Anforderungen definieren funktionale und nicht-funktionale Eigenschaften eines zu entwickelnden Produkts. Sie legen fest, was das Produkt können (funktionale Eigenschaften) und welche Qualitäten es haben soll (nicht funktionale Eigenschaften).

ANFORDERUNGSSPEZIFIKATIONEN IM HUMAN-CENTERED DESIGN-PROZESS

Bei linearen Softwareentwicklungsprojekten nach dem Wasserfall-Modell werden die Spezifikationen der System- und Softwareanforderungen in einem Lastenheft festgeschrieben. Bei iterativen und agilen Vorgehensmodellen wie dem Human-centered Design werden die Anforderungsspezifikationen dagegen nicht dauerhaft festgelegt, sondern laufend aktualisiert. Für die Dokumentation wird ein Product Backlog erstellt. Das Backlog ist eine Sammlung von Funktionen, meist in Form von User Stories.

User Stories beschreiben Anforderungen, Funktionalitäten und Akzeptanzkriterien an eine Anwendung in Form von Mini-Geschichten. Die Benutzergeschichten folgen einem festgelegten Schema. Sie werden im Backlog nach dem potenziellen Nutzwert für den Anwender bzw. für die Stakeholder priorisiert. User Stories haben den Vorteil, dass sie aus Nutzersicht geschrieben werden müssen. Grundlage sind zumeist Nutzerszenarien und Personas, die aus den Ergebnissen der User Research synthetisiert werden. Personas sind fiktive Menschen, die repräsentativ für die verschiedenen Endnutzer einer Anwendung sind. Sie sollen die Zielgruppe begrenzen und den Projektbeteiligten helfen, die Endnutzer und ihre Anforderungen an die Anwendung über den gesamten Projektverlauf im Blick zu behalten. Nutzerszenarien wiederum stellen sicher, dass „Produktattribute immer durch aufgabenrelevante Belange legitimiert sind“[3].

Wichtig für das Verständnis von Anforderungen im Human-centered Design ist, dass alle Anforderungen als Hypothese verstanden werden, die im Projektverlauf kontinuierlich überprüft werden müssen. Nach technischen Tests, Interviews mit Stakeholdern und Nutzern sowie nach Usabilitytests können und müssen die im Backlog dokumentierten Anforderungen angepasst, ergänzt, neu priorisiert oder aufgegeben werden.

Mehr zu Human-centered-Design? Hier geht’s zu Teil 5.

[1] Metz-Göckel, H. (2019). Bedürfnis. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 28.05.2019, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/beduerfnis/

[2] Ador, P. (2008). Bedürfnisse – Wünsche – Funktionen – Anforderungen. Abgerufen am 28.05.2019, von http://www.anchor.ch/komplexitat/bedurfnisse-wunsche-funktionen-anforderungen-2/

[3] DAkkS Deutsche Akkreditierungsstelle (2010), S. 28. Leitfaden Usability. Abgerufen am 28.05.2019, von https://www.procontext.de/de/downloads/Leitfaden-Usability.pdf

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Irka Schneider

Irka Schneider ist im Bereich User Experience & Portale als UX Designerin und Usability Engineer bei GISA tätig. Sie ist Wirtschaftspsychologin mit den Schwerpunkten Konsumenten- und Ingenieurpsychologie. Seit 2004 ist sie als Usability Professional tätig. Zuletzt arbeitete sie bei der Technische Informationsbibliothek (TIB), der weltweit größten Spezialbibliothek für Technik und Naturwissenschaften, im Forschungs- und Entwicklungsbereich.

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